#13 Nici Feher

Interview mit Nici Feher
Ausbildung zur Heimhilfe

Was hat Sie dazu bewegt, bei FAMILY mitzumachen und sogar zu kandidieren?

 

Mir ist bewusst, dass es Familien in Tirol nicht immer so leicht haben. Meine berufliche Tätigkeit, wie auch meine persönliche Erfahrung haben gezeigt, dass man sehr schnell an seine Grenzen kommt. Kinder können gar nichts dafür und werden oft noch schneller zu Opfern, wenn das System nicht rund läuft. Wenn Vorschriften eingehalten werden müssen um Abläufe zu optimieren, kann nicht immer auf die Seele und Bedürfnisse Rücksicht genommen werden. Darunter leiden nicht nur Patienten und zu pflegende Personen, sondern auch die Helfer, Pfleger und auch die Ärzte. Ich habe es selbst erlebt. Wenn in Krankenhäusern die Medizin an ihre Grenze kommt tritt ein Schutzmechanismus ein, der auf Angehörige sehr kalt und herzlos wirkt. Als Mama eines sterbenden Mädchens hätte ich häufig eine mitfühlende Begleitung für uns als Familie gewünscht, einen netteren Umgang.

 

Diese für jede Familie extrem schwierige Situation hat mir gezeigt, dass wir leider  für solche Momente im Leben nicht vorbereitet sind, weder in den öffentlichen Einrichtungen, noch in den Familien selbst. Leider bekommt man in dieser schwierigen Lebensphase nicht die Unterstützung, die man so dringend benötigen würde. Wenn ein Teil der Familie stirbt, braucht der andere Teil, das andere Kind und einfach jeder in der Familie Hilfe um aus diesem Drama herauszukommen und wieder in die Zukunft schauen zu können.

 

Dadurch wird eine Familie sehr erschüttert und es kostet sehr viel Kraft wieder zum Alltag zurück zu kehren. Aber man entwickelt auch Kraft und Ideen um dieses System verändern und die Familie zusammenzuhalten.

 

Ich glaube, dass die Menschen es alle gut meinen, aber oft fehlen ihnen schlichtweg das Handwerkszeug und die Zeit. Daher glaube ich, dass wir auch am System arbeiten müssen.

 

Welche Schlüsse haben Sie für sich persönlich gezogen?

Einerseits verändere ich mich beruflich, da ich jetzt die Heimpflege-Ausbildung gemacht habe und möchte dann auch auf selbständiger Basis meine Dienstleistung anbieten, da ich glaube zu wissen, was die Menschen in schwierigen Situationen, und das ist ganz einfach die Pflege eines nahen Angehörigen, brauchen. Am Ende des Lebens darf die Einsamkeit nicht in den Alltag einziehen. Pflegen nach Takt ist nicht das was ich mir vorstelle. Es sind die Kontakte, die Berührungen, die für uns Menschen das Leben lebenswert machen.

 

Außerdem müssen die Lücken im System beseitigt werden- es gibt Tage an denen man nicht in der Lage ist seiner Arbeit nachzugehen. Da sind großzügige Dienstgeber wirklich gefordert und man selbst ist abhängig von einzelnen Personen, weil das System nicht greift. Das gehört geändert.

 

Und außerhalb des Berufes?

Da möchte ich auch politisch mitwirken, beraten und gestalten, damit es in Zukunft für die Familien bei allen möglichen Härtefällen zu einer besseren Unterstützung kommt. Ich will mich dazu gerne einbringen und stehe FAMILY mit Rat und Tat zur Seite!